Magnus-Münzen gehören zum Bestand fast aller auf dem Territorium Alt-Livlands aufgedeckten Schatzfunde mit Schlußmünzen aus der Zeit von 1562 bis 1600. Die Funde ermöglichen es, sich ein Bild davon zu verschaffen, welche die Wege dieser Prägungen im Münzumlauf gewesen sind. Erkenntnisse darüber vermitteln die Unterschiede in der Zusammensetzung der Funde, das Datum der jeweiligen Schlußmünze und die Lage der Fundorte. Dazu wird auf die Fundliste und die Fundkarte hingewiesen.
Als die livländischen Staaten 1561 ihre Selbständigkeit verloren, stellten die zuletzt tätigen Münzstätten Reval und Riga (die Prägung in Dorpat hatte 1558 geendet) ihre Arbeit nur vorübergehend ein. In Reval wurde bereits im zweiten Halbjahr 1561 unter schwedischer Herrschaft mit der Prägung der auf König Erik XIV hinweisenden Münzen angefangen. In Riga setzte man 1562 eine schon 1560 begonnene minimale Prägung eigener erzbischöflicher Münzen fort, welche 1563 einen beträchtlichen Umfang annahm und noch im gleichen Jahr in die Ausmünzung der sog. Freiheitszeit-Münzen der Stadt überging. Zu Reval und Riga trat 1562 Hapsal als Prägestätte des Stifts Ösel-Wiek, die in Hapsal aber nur bis 1563 arbeitete und nach Arensburg verlegt wurde. Da die in Alt-Livland gängigen Münzen auch nach 1561 in Umlauf blieben und dort noch während einer Reihe von Jahren den Zahlungsverkehr beherrschten, läßt sich die Rolle der Magnus-Münzen im Münzumlauf nur ermitteln, wenn man die Münzen aus der Ordenszeit als sozusagen "altes Geld" außer Betracht läßt und die Magnus-Münzen nebst den Revaler Prägungen ab Mitte 1561 sowie den Rigaer und den ausländischen Prägungen ab 1562 zu einer Gruppe "neues Geld" zusammenfaßt. Bei dieser Gruppe handelt es sich um die mit den Magnus-Münzen zeitgleichen Prägungen, woraus sich das Jahr 1569 als das Enddatum dieser Gruppe ergibt. Dem entspricht die Aufgliederung des Materials in der Fundliste.
Beim Vergleich der verschiedenen Angaben fällt zunächst auf, daß sich das in Reval bzw. Riga geprägte neue Geld so gut wie gar nicht miteinander vermischt hat, vielmehr im Norden des Landes die neuen Revaler Münzen ebenso klar dominierten wie im Süden die neuen Rigaer Münzen; der Zufall will es, daß die Trennzone zwischen den beiden Bereichen ebenso verlief, wie die Grenze zwischen den Republiken Estland und Lettland. Die Separierung der Umlaufgebiete erklärt sich aus den damaligen territorialen Herrschaftsansprüchen von Polen und Schweden. Polen vermeinte Ansprüche auf das ganze Alt-Livland (mit Ausnahme des von Dänemark beherrschten Stifts Ösel-Wiek) zu haben, wogegen Schweden, dem sich nur Reval, Harrien und Wierland unterworfen hatten, von dort aus weit nach Süden bis Pernau vorstieß, das Schweden Mitte 1562 eroberte und Polen im Frühjahr 1565 zurückeroberte. In der Zone vielfacher militärischer Aktivitäten, die sich vom Raum Pernau in südöstlicher Richtung ausdehnte, ruhten Handel und Wandel. Wie schwer durchlässig dieser Grenzbereich war, zeigen die Funde 3 und 13, wonach nur wenige neue Prägungen Revals in den Süden Lettlands und nur wenige neue Prägungen Rigas in den Norden Estlands vorgedrungen sind.
In die Wiek werden schon vor dem Prägebeginn in Hapsal unter schwedischer Herrschaft in Reval geschlagene Münzen einzudringen begonnen haben, und so mag der Fund 4 für die Zeit gleich nach der Verlegung der Münzstätte nach Arensburg nicht allein für die Stadt Hapsal, sondern auch für die gesamte Wiek repräsentativ sein in dem Sinne, daß dort an neuem Geld zu etwa gleichen Teilen Magnus-Münzen und Revaler Prägungen umliefen. Nach dem Fund 5 zu schließen, darf man dasselbe für den Bereich Pernau in der Zeit bis zur Rückeroberung durch Polen annehmen. Auf der Insel Ösel dürften die Dinge anders gelegen haben. Nach Ösel werden in der Zeit der Hapsal-Prägung an neuem Geld vor allem Hapsaler Münzen gelangt sein. Nach der Verlegung der Münzstätte nach Arensburg wiederum wird die Masse der dortigen Prägungen in den Öseler Münzumlauf gegangen sein. Doch wie verhält es sich mit dem Abfluß der Arensburger Münzen in andere Gebiete? Ein solcher war nur über See möglich, was es erklären mag, daß die in Küstennähe aufgedeckten Funde 8, 10 und 14 an Magnus-Prägungen einen stark überwiegenden Anteil an Arensburger Münzen aufweisen. Erst nach dem Stettiner Frieden von 1570 dürfte es zu einem stärkeren Abfluß der Arensburger Münzen über die kurze Seeverbindung zur Wiek auf das Festland gekommen sein.
Die in der Fundliste angeführten Funde enthalten insgesamt 347 Magnus-Münzen, und an zeitgleichen Stücken 2632 Münzen aus Reval (1699) und Riga (933) sowie 770 Münzen aus Litauen (719) und Schweden (51). Der Anteil der Magnus-Münzen an den zeitgleichen Prägungen beträgt danach 10,2%, bei Weglassung der litauischen und schwedischen Münzen sind es 13,2%. Man darf diesen Anteil als durchaus beachtlich bezeichnen. Unter den in den letzten 100 Jahren aufgedeckten Funden fehlen die Magnus-Münzen überhaupt nur in dem frühen und in weiter Distanz vom Gebiet Ösel-Wiek aufgedeckten Fund 3 sowie in dem gleichfalls frühen im Kreis Pernau aufgedeckten Fund 2 (hier wäre ihr Fehlen durchaus verständlich, wenn - was zu vermuten Anlaß besteht - der Fundort im von Polen beherrschten südlichen Teil des Kreises gelegen hat). Von den zuvor aufgedeckten Funden (B bis H), über deren Bestand wir nur dürftige, ungenaue bzw. unzureichend spezifizierte Angaben besitzen, haben offenbar zwei keine Magnus-Münzen enthalten. Beim Fund B kann das nicht erstaunen, enthielt er doch unter seinen etwa 60 zeitgleichen Münzen außer Rigaer Prägungen mit 3 Revaler Münzen nur eine sehr geringe Anzahl dieser sozusagen ständigen Begleiter der Magnus-Münzen. Eher erstaunt ihr Fehlen in dem nahe bei Pernau aufgedeckten Fund D. Indessen ergeben die spärlichen Angaben über seine Zusammensetzung, daß von den insgesamt 227 Münzen nicht weniger als 180 Rigaer Freiheitszeit-Münzen aus den Jahren 1569 bis 1578 waren und in seinem übrigen Bestand Dahlensche Schillinge von 1572, Kurländische Schillinge aus den Jahren 1575 bis 1577 sowie Revaler Schillinge von Johann III. (solche von Erik XIV. waren in dem Fund ebenfalls vertreten) die Majorität gebildet haben werden. Man hat es hiernach mit einer dem aktuellen Münzumlauf entstammenden Barschaft zu tun und damit einem Fund, welcher dem weitaus größeren Fund 21, ebenfalls eine derartige Barschaft, höchst ähnlich sein dürfte; in jenem 965 Münzen enthaltenden Fund machten seine 4 Magnus-Münzen 0,41% des Bestandes aus, welcher Prozentsatz bedeutet, daß in einem völlig gleichartigen Fund mit 227 Münzen eine Magnus-Münze enthalten wäre. Das völlige Fehlen von Magnus-Münzen im Fund D kann hiernach in keiner Weise überraschen. Dem Fund 21, dessen Schlußmünze, ebenso wie die des Fundes 20, im Jahre 1577 geprägt wurde, ist auf den ersten Blick anzusehen, daß es sich bei ihm um einen Hortfund mit langer Bildungsdauer handelt. Eine ganze Reihe weiterer Funde läßt sich im gleichen Sinne interpretieren, so insbesondere der Fund 9.
Zusammenhänge zwischen der Niederlegung eines Münzschatzes und einem bestimmten Geschehen herzustellen, ist problematisch. Bei zwei Funden drängt er sich hier aber nachgerade auf. Zum Fund 5 hat Stackelberg die Verbergung auf etwa den 1. Mai 1565 datiert, weil an diesem Tage die Nachricht von der plötzlichen Wiedereinnahme der Stadt Pernau durch polnische Truppen in Tammist, dem Fundort, eingetroffen sein dürfte. Bei dem Fund 21 wiederum ist die Niederlegung auf etwa den 1. September 1577 zu fixieren, den Tag, an dem das wenig später zum Fall der Burg Wenden führende Schlußbombardement der Russen begann; man möchte hinzufügen: in Anwesenheit von Herzog Magnus als Gefangenem im Feldlager des Zaren vor Wenden.
Das Fehlen von Funden mit Schlußmünzen aus den 1580er Jahren erklärt sich aus der Beendigung des Livländischen Krieges durch die Friedensverträge von Sapolje und Pljussa, die Gruppe der Funde mit Schlußmünzen von 1598 bis 1600 aus den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Polen und Schweden auf dem Territorium Alt-Livlands in den Jahren 1601 bis 1603. In Dänemark wurde nur eine Münze von Herzog Magnus gefunden, und zwar ein Schilling aus Hapsal auf der Ostküste von Seeland, nördlich von Köge, bei Solröd (1).
(1) Danefæ 1997. Den kgl. Mønt- og Medaillesamling, Arkæologiske udgravninger i Danmark 1997, Kopenhagen 1998, S. 243.
"Hartmann" = H. E. Hartmann, Das Vaterländische Museum zu Dorpat, in: Verhandlungen der gelehrten Estnischen Gesellschaft zu Dorpat, Bd. 6, Dorpat 1871.