Außer der knappen aber gut informierenden Übersicht von Preben Nielsen (in seinem Beitrag "Prins Magnus" zur Festschrift der Numismatischen Vereinigung für das Ribe-Stift 1968-1988, Esbjerg 1989, S. 36-43) gibt es nur zwei sich speziell auf die Münzen von Ösel beziehende Publikationen, von denen die eine 1844 und die andere 1933 erschienen ist. Bei dem Autor der "Münzen und Siegel des Herzogs Magnus von Holstein, Bischof von Oesel etc." überschriebenen älteren Arbeit handelt es sich um Bernhard von Koehne (1817-1886), der ab 1845 etwa zehn oder zwölf Jahre an der Ermitage arbeitete. Publiziert hat Koehne seine Arbeit in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift für Münz-, Siegel- und Wappenkunde, 4. Jahrgang, 1844, S. 348-363, mit der Angabe, daß es sich dabei um einen von ihm am 1. Juli 1844 vor der Berliner numismatischen Gesellschaft gehaltenen Vortrag handele. Hier interessiert die sich einer längeren historischen Einleitung anschließende katalogartige Beschreibung von insgesamt 47 verschiedenen Öseler Münzen. Aus der Sicht eines damaligen Sammlers enthielt diese Zusammenstellung Neues nicht. Koehne führt an: Von Hapsaler Münzen Ferdinge von 1562 und o.J. sowie Schillinge von 1562 und o.J., von Arensburger Münzen Ferdinge von 1564, 1565 und o.J. sowie Schillinge von 1564, 1567 und o.J., was mit einer Ausnahme den kursorischen Angaben von Johann Gottfried Arndt im Anhang des 1753 erschienenen zweiten Teils seiner Livländischen Chronik (S. 325 f) entspricht. Daß es, was Arndt nicht verzeichnet hatte, Arensburger Schillinge o.J. gibt, war bereits, worauf Koehne hinweist, aus dem Katalog der Reichelschen Münzsammlung in St. Petersburg Bd. 2, 1842 (Nr. 570) bekannt.
Danach wurden im 19. Jahrhundert noch publiziert der Arensburger Schilling von 1569 (im 1880 erschienenen Band 3 des Katalogs der Sammlung Hutten-Czapski, Nr. 6584) und der Hapsaler Schilling von 1563 (1896 im Katalog der Ausstellung zum X. archäologischen Kongreß in Riga; erste Beschreibung im Auktionskatalog Ad. Hess Juni 1920 - Sammlung Sellmer - Nr. 617); für den kundigen Sammler waren das freilich keine Neuheiten, finden sich doch Abbildungen dieser beiden sowie aller hier zuvor genannten Münzen bereits in den Bänden 1 und 2 der "Sammlung verschiedener Liefländischer Monumente, Prospekte, Münzen, Wappen etc." von Johann Christoph Broltze (1742-1823). Als letzte der bisher bekannten regulären Prägungen wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts der Arensburger Schilling von 1568 aus der Sammlung Retowski publiziert (Auktionskatalog Ad. Hess März 1912 Nr. 783).
An dieser Stelle ist auf ein Werk hinzuweisen, in dem die Öseler Prägungen nur in einem weiteren Kontext verzeichnet sind, nämlich den 1926 veröffentlichten Katalog von Schou (Beskrivelse af Danske og Norske Mønter (vergl. S. 242). Anders als Koehne hat Schou diesen seinen Typenkatalog aufgrund ihm vorliegender Münzen bzw. Münzabdrucke ausgearbeitet (sein Material ist erhalten, siehe dazu Abschnitt 11), wodurch sein Werk weitaus zuverlässiger wurde als die Schrift von Koehne, die infolgedessen ihre frühere Bedeutung verlor. Erstmals im Katalog von Schou ist eine der beiden als irregulär zu qualifizierenden Prägungen von 1564 angeführt, auf denen Hapsal als Prägeort erscheint, der Ferding 1564 Nr. 29 (die andere, einen gleichartigen Schilling, den schon der Ausstellungskatalog von 1896 anfährt, hat Schou offenbar wegen der fehlenden Beschreibung nicht berücksichtigt). Ohne Bezugnahme auf Schou findet man diesen Ferding in der im März 1928 abgeschlossenen Arbeit von Jochumsen-Sengbusch, Verzeichnis aller bisher nachweisbaren baltischen Münzen und der Desiderata der Sammlung Anton Buchholtz (Mitteilungen aus der livländischen Geschichte, Bd. 22, S. 252) als Desideratum genannt, und zwar mit dem Quellenhinweis "Kgl. Münzkabinette in Stockholm und Kopenhagen" sowie dem Zusatz "Die Hs. von Arensburg und die Rs. von Hapsal, vgl. Kopenhagener Abdruck von E. Kieler". Der Quellenhinweis ist unzutreffend; weder in der Stockholmer noch in der Kopenhagener Sammlung hat eine solche Münze gelegen. Die Grundlage der Beschreibung von Schou hatte das in der Sammlung Kieler liegende Exemplar gebildet, von welchem offenbar auch Jochumsen einen Abdruck erhalten hatte. Erworben hatte Kieler die Münze auf der Auktion Ad. Hess Juni 1920 (Sammlung Sellmer), wo sie unter der Losnummer 607 als gelochter Hapsaler "Ferding o.J." unter Angabe des allein lesbaren Teils ihrer Aversumschrift (:MAG.D.G.) angeboten worden war; die vollständige Umschrift mit der Jahreszahl ergibt ein Stempelvergleich, was die insoweit komplette Angabe bei Schou erklärt.
Verfasser der anderen bisher über Öseler Münzen veröffentlichten Schrift ist Emst Kieler. Unter dem Titel "Lidt om Mønter fra Hertug Magnus" (Einiges über die Münzen von Herzog Magnus) in Numismatisk Forenings Medlemsblad, 1933, S. 185-187, erschienen, behandelt sie im Anschluß an den Katalog von Schou insbesondere die der Münzstätte Hapsal zugewiesenen Ferdinge und Schillinge des Jahres 1564. Kieler geht davon aus, daß eine Münzprägung in Hapsal während dieses Jahres angesichts der Mitte 1563 erfolgten Besetzung Hapsals durch die Schweden höchst unwahrscheinlich ist. Daß jene mit (15) 64 datierten Münzen als ihren Prägeort Hapsal nennen, beweise keineswegs, daß sie auch wirklich in Hapsal geprägt wurden, da sie ihre Datierung auf der Vorderseite, die Münzstättenangäbe aber auf der Rückseite tragen. Seine Annahme einer Prägung in Arensburg mit eigentlich nicht zusammengehörenden Stempeln-Koppelung von 1564 in Arensburg gefertigten Aversstempeln mit 1562 oder 1563 in Hapsal hergestellten Reversstempeln findet er hinsichtlich beider Münzen dadurch bestätigt, daß die Aversstempel vielfach in Koppelungen mit Arensburger Reversstempeln vorkommen. Kielers Ansicht, daß Münzen von 1564, die Hapsal als Prägeort nennen, in Arensburg geprägt worden sind, erscheint hiernach zutreffend, und es hätte seither nach den Prägestätten gegliederte Verzeichnisse der Münzen des Stifts Ösel-Wiek, in denen Arensburg vor Hapsal erscheint, nicht mehr geben dürfen.
Bei Ernst Julius Kieler (1880-1950) haben wir es mit dem fraglos bedeutendsten Sammler baltischer Münzen des 20. Jahrhunderts zu tun; vor ihm hatte eine vergleichbare Sammlung allein Anton Buchholtz (1848-1901) in Riga Ende des 19. Jahrhunderts zusammentragen können. Kieler ist im Baltikum (Libau) als Kind dänischer Eltern aufgewachsen und später nach Dänemark gegangen, wo er sich ab 1906, zunächst als Eigentümer des Gutes Kjellerup bei Mariager und später (von etwa 1917 bis 1936) des Gutes Frøvadsholm bei Randers, in der Landwirtschaft betätigte und zuletzt in Hellerup bei Kopenhagen ansässig war. Kielers aus rd. 5000 Münzen bestehende Sammlung kam 1937 auf zwei Kopenhagener Auktionen zur Versteigerung. Seine Öseler Münzen, mit 98 Exemplaren der größte Bestand, der je in einer Sammlung gelegen hat, hatte er vorher an den Großhändler V. Ragoczy verkauft. Als die Sammlung Ragoczy nach dessen Tod 1959 und 1961 auf zwei Kopenhagener Auktionen versteigert wurde, befanden sich darunter 43 Öseler Münzen (sämtlich aus der Sammlung Kieler?), die in alle Winde zerstreut sind. Die übrigen Öseler Münzen Kielers dürften sich in Privatbesitz befinden. Nicht mehr vorhanden sind auch die Abdrucke, die sich Kieler von in anderen Sammlungen liegenden Münzen beschafft hatte. Da sich darunter Abdrucke von 28 ihm fehlenden Öseler Münzen befanden - Kieler waren somit insgesamt 126 verschiedene Öseler Prägungen durch Augenschein bekannt -, kann man nach allem von einem schweren Verlust für die Erforschung der Öseler Münzprägung sprechen. Glücklicherweise werden die Auswirkungen dieses Verlustes dadurch vermindert, daß Kieler ein handschriftliches Verzeichnis aller ihm bekannten baltischen Münzen verfaßt und dem Münzkabinett Stockholm überlassen hat. Darin sind sämtliche Münzen mit Stempeigenauigkeit unter Vermerk von Stempelidentitäten beschrieben. Hinzu kommt, daß Schou bei der Erarbeitung seines Katalogs mehr als 100 Abdrucke von Öseler Prägungen vorgelegen haben, darunter neben solchen aus weiteren Sammluncen (u.a. Beck, Bruun, Guildal, Wilcke) besonders viele aus der Sammlung Kieler bzw. von Kieler sonstwie bekannten Münzen, was es ermöglicht, das Verzeichnis Kielers anhand dieses im Kopenhagener Kabinett verwahrten Materials weitgehend nachzuvollziehen.
Von den vor der Sammlung Kieler durch Auktionen zersplitterten privaten Sammlungen hatten die von Retowski (1912) mit 42 und von Seltmer (1920) mit 40 Exemplaren die größten Öseler Bestände gehabt. Erhalten geblieben sind die Öseler Münzen der von ihren Besitzern ihnen nahestehenden Vereinigungen vermachten Sammlungen und damit die 53 Exemplare der Sammlung Anton Buchholtz, welche an die Rigaer Altertumskunde-Gesellschaft gelangte, und die 36 Exemplare aus der Sammlung Sven Svensson (1855-1928), mit der die Schwedische Numismatische Gesellschaft bedacht wurde. Von den übrigen öffentlichen Sammlungen besaß um 1925 nach Erhebungen von Kieler die Petersburger Ermitage 39 und die Gelehrte Estnische Gesellschaft zu Dorpat 42 Öseler Münzen. Letztere wurde später verstaatlicht, gleichfalls die Rigaer Altertumskunde-Gesellschaft. Jetzt befinden sich die Dorpater Bestände im Talliner Institut für Geschichte und die Rigaer Bestände im Rigaer Geschichts- und Schiffahrtsmuseum.